Ergreifen, ordnen und vitalen Grund schaffen

Einzelene Brennnesselpflanze

Der Horste einer einzelnen Brennnesselpflanze

Eine kleinste, unabsichtliche BerĂŒhrung reicht, dass sie ‘beißt’. Heftig. Manchen macht es aggressiv. Als Kind habe ich mit grimmiger Lust Brennnesseln mit Stöcken niedergemetzelt. Und nie hĂ€tte ich erwartet, dass ich sie irgendwann mal als schöne und im Grunde freundliche Pflanze ansehen könnte. Aber das ist sie tatsĂ€chlich - wenn auch etwas streng in ihrem Ausdruck. 

Kaum eine andere Pflanze folgt so sehr den Spuren des Menschen wie die Brennnessel. Überall, wo Menschen Erde aufschĂŒtten, aufkratzen, die Erde verletzten, die FlĂ€chen ĂŒberdĂŒngen, ist die Brennnessel eine der ersten, die ankommt und jene ‘Wunden’ mit ihrem vibrierenden GrĂŒn wieder verschließt. Nie breitet sie sich dabei ĂŒbermĂ€ĂŸig aus wie etwa der BĂ€rlauch oder bestimmte Neophyten (= Neu-Pflanzen, sprich eingeschleppte Pflanzen aus anderen Erdregionen, die heimische Pflanzen bisweilen aggressiv verdrĂ€ngen) das tun.

Dort, wo sie Fuß gefasst hat, verschafft sie sich alsbald durchaus grĂ¶ĂŸeren Raum, 3-4 qm, zuweilen sogar deutlich mehr. Aber jedes mal handelt sich dabei um einzelne Pflanzen, nicht viele. Was wie eine Vielzahl aussieht, ist in Wirklichkeit mit einer gemeinsamen Wurzel unterirdisch verbunden, d.h. die Brennnessel bildet Horste. Oft verzweigt sich ein aufsteigender StĂ€ngel ganz dicht ĂŒber dem Boden, und es können bis zu 10 weitere StĂ€ngel von dort aus gleichberechtig aufsteigen. Ansonsten bildet sie weiter oben keinerlei Querverzweigungen, obgleich in allen Blattachseln die SprossansĂ€tze dafĂŒr angelegt sind. Knickt der Wind - was selten passiert - einen einzelnen StĂ€ngel um, dann fangen die Sprosse sofort an, zu wiederum gleich hohen gleichhohen StĂ€ngeln empor zu wachsen. Der Drang zur Senkrechten ist unĂŒbersehbar.  

Bis zu 3 m kann die so genannte Große Brennnessel (urtica dioeca) hoch werden. Es gibt etwa 50 brennende Nesselarten, darunter auch BĂ€ume. Die gesamte Pflanzenfamilie umfasst sogar um die 600 Arten. Aber die Große Brennnessel ist die heilkrĂ€ftigste unter ihnen. 

Prinzip von Auftrieb und Schwere

Ein möglicher Grund dafĂŒr könnte sein, dass bei der Großen Brennnessel das Prinzip von Auftrieb und Schwere am stĂ€rksten ausgeprĂ€gt ist und die Heilwirkungen zu einem guten Teil genau auf diesem Prinzip basieren. NĂ€mlich: Aufrichtung/WillensstĂ€rkung, Aktivierung, klare Strukturierung, Blutflusszirkulation anregen u.Ă€. Mindestens mal deutet sich ein erster Bezug zum Blutkreislauf an. 

Brennnesselwurzel

Eine noch relativ kleine Brennnesselwurzel. Gut erkennbar der Drang zu netzartiger Ausbreitung

So streng die Senkrechte im oberirdischen Bereich betont ist, so sehr strebt der Wurzelspross in die Waagerechte, bildet Netze aus, mit langen, faserigen, gelben WurzelauslĂ€ufern. Der Boden wird ergriffen, vor allem wird Eisen intensiv eingesammelt, soweit es im Boden vorhanden ist. Ähnlich wie im oberirdischen Teil ist auch das Wurzelleben durchrhythmisiert, indem in sehr regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden Knoten entstehen, aus denen jeweils neue StĂ€ngel aufsteigen. 

Starke rhythmische PrÀgung

Die Senkrechte betonend, Ruhe gebietend

Die rhythmische Verteilung der StĂ€ngel wirkt fast so gleichmĂ€ĂŸig, als wĂ€ren sie in Reihen angepflanzt.

Eine Betonung der rhythmischen Organisation zeigen mehrere Pflanzen, z.B. der Andorn, der Gundermann, die Melisse oder der gelbe Enzian, aber bei der Brennnessel dominiert dieser Aspekt massiv. Eine von der BlĂŒtenrispe ĂŒber die so lebhaft vibrierende ZĂ€hnung der BlĂ€tter, der ĂŒberaus gleichmĂ€ĂŸig aufgereihten BlattabstĂ€nde, selbst des StĂ€ngels, der mit seiner Vierkantigkeit den Rhythmus der gegenstĂ€ndigen Blattaufteilung aufnimmt bis hin zum Ausbreitungsverhalten des Horstes einer einzelnen Pflanze ist alles von sehr ebenmĂ€ĂŸig durchrhythmisiert durchdrungen. Auf keiner Ebene gibt es große LĂŒcken oder auffallende Verdichtungen, und das gilt sogar fĂŒr die Ausbreitungsverhalten der Brennnessel als Ganzes. Brennnesseln nehmen ihren Raum zwar ein, aber aufdringlich, vertreibend, in VerdrĂ€ngungswettbewerb tretende, das macht sie nicht. 

Brennnesseln strahlen eine Anmutung von großer Bestimmtheit und Geradlinigkeit aus. Und sie fordern fĂŒr ihre Arbeit - das Ergreifen und Durcharbeiten des Bodens sowie die Verwandlung des Stickstoffes und Eisens in fruchtbaren Grund - offenbar Ruhe ein. Diesen Anspruch unterstreichen sie mit ihren Respekt gebietenden Brennhaaren. Die FlĂ€chen, auf denen sie bevorzugt wachsen, können chaotisiert, aufgerissen, in Aufruhr gebracht oder ĂŒberdĂŒngt sein - wichtig ist nur, dass genĂŒgend Feuchtigkeit zur VerfĂŒgung steht. Denn die Brennnessel ist darauf spezialisiert, sich im feuchten Milieu auszuleben.  

Brennhaare als Fraßschutz???

Ein Brennhaar der Brennnessel

Ein einzelnes Brennhaar

Dass die Brennhaare als Fraßschutz entwickelt wurden, wie es so hĂ€ufig in manchen Magazinen oder Apothekenzeitschriften geschrieben wird, ist - schlicht gesagt - Blödsinn. Was auf den ersten Blick naheliegend und logisch nachvollziehbar erscheint, hĂ€lt einem zweiten Blick nicht stand. Denn GĂ€nseblĂŒmchen, Löwenzahn, Spinat, KohlgewĂ€chse und so unendlich viele andere Pflanzen, ĂŒberleben allerbestens ohne Brennhaare, Stacheln oder Gifte ausbilden zu mĂŒssen. Mehr noch: Es gibt sogar einige Schmetterlingsraupen wie etwa jene des ‘Kleinen Fuchses’, des Admirals, des Tagpfauenauges oder der Brennnessel-ZĂŒnslereule, die Brennnesseln als ausschließliche Nahrungspflanze auserwĂ€hlt haben. Die Brennhaare interessieren sie ĂŒberhaupt nicht - oder liefern vielleicht eine angenehm scharfe Note, mexikanisch gewĂŒrzt, ein bisschen wie Chili oder Pfeffer. Kann ja auch gut schmecken.  

Die HingabefĂ€higkeit der Brennnessel 

So streng, aufrecht und bestimmt die Brennnessel in ihrem Habitus erscheint, so zeichnet sie sich auf der anderen Seite auch durch eine erstaunlich große HingabefĂ€higkeit aus. Die BrennnesselblĂ€tter als solche, von ihren kristallinen Brennhaaren abgesehen, sind ĂŒberaus weich, eigenen sich fĂŒr Spinatzubereitungen (wenn das PflĂŒcken nicht so beschwerlich wĂ€re). Sie enthalten viele wertvolle Mineral- und NĂ€hrstoffe, ebenso eine Menge Proteine. Letztere zerfallen sehr leicht, geben sich als verwertbar und nĂ€hrend hin. Genau aus diesem Grund eigenen sich Brennnesseln auch in der Gartenarbeit so hervorragend zur Jauch-Zubereitung. Die stinkt zwar wie Hölle (falls man kein Urgesteinsmehl hinzu gibt), erweist sich aber als ausgesprochen segensreich fĂŒr den gesunden und starken Pflanzenwuchs - ein absolutes Highlight fĂŒr BiogĂ€rtner (das alles gilt nicht fĂŒr Frankreich - da herrscht der so genannte ‘Brennnesselkrieg’. Die Pharmalobby hat dort durchgesetzt, dass die nicht wissenschaftlich bewiesenen DĂŒnge- oder Heilwirkungen der Pflanze in irgendeiner Weise kundgetan, geschweige beworben werden darf. FĂŒr alles, was ich hier ĂŒber die Pflanze schreibe, wĂŒrde mir in Frankreich eine Strafe von bis zu 75.000 Euro sowie 2 Jahre Haft drohen - Realsatire vom Allerfeinsten). 

Aggression ist eher der Begriff, der einem bei Brennnesseln einfĂ€llt, eher zumindest als HingabefĂ€higkeit. Aber das ist kein Widerspruch. Sie verhĂ€lt sich im Naturreich wie ein von Grund auf gutmĂŒtiger, wohlmeinender, gleichwohl gestrenger Familienvater, der Ordnung schafft und den Boden bereitet, dass alles bestens gedeihen kann. Und der sich da nicht reinreden lassen will. 

GrĂŒn, grĂŒn, grĂŒn sind alle meine Teile

Blattwerk der Brennnessel

GrĂŒner (und rhythmischer) geht es fast nicht. Das Blattwerk der Brennnessel 

Was die Brennnessel fernerhin zu einer großen Besonderheit im Pflanzenreich macht, ist ihr durchgĂ€ngiges GrĂŒn. Es erstreckt sich sogar bis in die BlĂŒten hinein. Das hat mit ihrem enormen Chlorophyll-Gehalt zu tun, mit dem sie solche ausgewiesenen GrĂŒnpflanzen wie GrĂŒnkohl oder Spinat klar auf die PlĂ€tze verweist. FrĂŒher wurden Brennnesseln sogar zur Chlorophyll-Produktion herangezogen.

Zur so reichen Chlorophyll-Synthese braucht die Brennnessel Enzyme, die essenziell Eisen enthalten, d.h. mit der Chlorophyll-Produktion geht gleichzeitig ein besonderer Eisenprozess einher. Eisen ist freilich eher als zentrales Element in der Blutbildung bekannt, sofern es biochemisch passend eingebunden ist (Stahlstangen zu kauen fĂŒhrt nicht per se zu einem höheren Eisenspiegel im Blut. Das Drumrum, die Einbindung, ist mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger). 

Ein kleiner Einblick in die Chemie

Chlorophyll ist bekannt als der grĂŒne Blattfarbstoff (chloro = grĂŒn, phyll = Blatt). Im UV-Licht fluoresziert er rot und ist das entscheidende MolekĂŒl, um Lichtenergie einzufangen und in chemische Energie umzuwandeln.

Im menschlichen (oder allg. tierischen) Körper gibt es ein genaues Pendent zum Chlorophyll, nĂ€mlich das HĂ€moglobin. HĂ€moglobin ist der Name des roten Blutfarbstoff, der im UV-Licht grĂŒn fluoresziert. Schon rein vom Farbverhalten her bilden beide ein KomplementĂ€rpaar. Das zeigt sich auch in ihrem chemischen Aufbau: 

Chlorophyll und HĂ€moglobin

Links: das Chlorophyll-MolekĂŒl, rechts das HĂ€m-b-MolekĂŒl des BluthĂ€moglobins. Das quadratische RinggerĂŒst heißt Porphyrin-Ring. 

Der Hauptunterschied zwischen beiden MolekĂŒlen liegt im Zentralatom. Bei Chlorphyll ist in die Mitte des so genannten Prophyrin-Rings ein Magnesium-Atom eingelagert und beim HĂ€moglobin ein Eisenatom. Beide Metalle gelten als 'Lichtelemente', sprich sie brennen extrem gut (kann jeder bei Stahlwolle selbst ausprobieren). Magnesium brennt freilich so gleißend wie kein anderes Material der Welt und kommt damit dem Sonnenlicht am nĂ€chsten (dieser Bezug zu Feuer, zum trockensten aller Elemente, machen sich auch Turner zunutze, wenn sie sich vor ihren Übungen die HĂ€nde mit Magnesia, also Magnesiumoxid, einreiben). Das Magnesium-Atom spielt eine SchlĂŒsselrolle, um das Sonnenlicht einzufangen und die Energie chemisch zu transformieren.

Bedeutung des Eisens

Rötliche FĂ€rbung der BlĂŒten

In der roströtlichen FĂ€rbung der BlĂŒten, bisweilen auch der Ă€lteren oberen BlĂ€tter, verrĂ€t sich der Eisenanteil

Das Eisen ist hingegen ein Stoff, der die Energie, das Lichthafte, nach innen zieht. Diese Nach-innen-holende QualitÀt des Eisens zeigt sich nicht zuletzt darin, dass es z.B. den Kern der Erde ausmacht oder dass es als Eisenoxid braun ist und so dem Erdboden ihre absorbierende Farbe verleihen.

Als brennendes Material (bei hinreichend dĂŒnner Auffaserung) zeichnet sich Eisen durch ein besonders 'intimes' VerhĂ€ltnis zum Sauerstoff aus. HĂ€moglobin mit seinem zentralen Eisenatom ĂŒbernimmt im Blut denn auch den Sauerstofftransport, nimmt ihn auf und gibt ihn ab an jenen Stellen, wo er zur Energieumsetzung gebraucht wird. Also auch hier wird letztlich eine Art von Energiemanagement geleistet. Die kosmisches (Sonnen)Energie wird ĂŒber das Eisen gewissermaßen verirdischt. 

Der Eisenprozess in der Brennnessel in Verbindung mit der Chlorophyll-Produktion ist daher prĂ€destiniert, im Menschen das energetische Geschehen von Grund auf zu ordnen und zu organisieren. Das geschieht in hohem Maße ĂŒber die Art der Einbindung des Eisens. 

In der Brennnessel beeinflusst der ungewöhnlich intensive Eisenprozess auch die Eiweißproduktion. Bestimmte unvollstĂ€ndig durchgearbeitete Eiweiße mĂŒssen daher an die Periferie entsorgt werden, was durch die Ausbildung der Brennhaare geschieht. Bei der brennenden Substanz handelt es sich nicht, wie hĂ€ufig falsch beschrieben, um AmeisensĂ€ure, sondern Eiweiß-Abbauprodukte, insbesondere Histamin, Acetylcholin und Serotonin. Sie gehören normalerweise nicht zum pflanzlichen Prozessgeschehen, sondern viel mehr zum tierischen. 

Die Brennhaare selbst bestehen vornehmlich aus KieselsĂ€ure. KieselsĂ€ure ist ein leicht kristallisierender Stoff, der im Pflanzenreich immer dann auftritt, wo besondere StrukturkrĂ€fte wirken (wie z.B. im Ackerschachtelhalm). Auch darin deutet sich eine außergewöhnliche Strukturkraft der Brennnessel an. 

Zum VerstÀndnis des Stickstoffs

Um die chemische Betrachtung noch zu vervollstĂ€ndigen, lohnt sich abschließend ein kleiner Blick den Stickstoff, der vor allem im Chlorophyll-MolekĂŒl zu finden ist. Wie oben in der Abbildung zu sehen, ist das zentrale Atom im Porphyrin-Ring von Stickstoffen eingebunden. Stickstoff hat fast immer etwas mit Bewegung und Transformation, mit Dynamis zu tun (in der Vier-Elemente-Lehre korrespondiert es mit dem Element 'Luft'). Nahezu alle Sprengstoffe sind Stickstoffverbindungen, allen voran das Dynamit (Tri-NITRO-toluol); ebenso Psychopharmaka oder Drogen, Antidepressiva, die die Psyche ‘leicht’ manchen sollen, enthalten an prominenter Stelle Stickstoff (oft in der NĂ€he von Doppelbindungen). Ein zu große Stickstoffdominanz in Kohlenstoffverbindungen verwandelt Stickstoffverbindungen in Gifte (Alkaloide). 

Normalerweise brĂ€uchten Pflanzen als weitestgehend unbewegliche Lebewesen keinen oder kaum Stickstoff. Das ZellgrundgerĂŒst besteht aus Kohlehydraten, d.h. es ist also aus den Atomen Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) aufgebaut. Stickstoff fehlt.

Alle beweglichen Lebewesen bauen ihren Bewegungsappart aus Eiweißen auf, wobei Eiweiße aus den Grundbausteinen Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff UND Stickstoff (N) zusammengesetzt sind. Dass Pflanzen trotzdem des Stickstoffs bedĂŒrfen und im Anbau mit Stickstoff gedĂŒngt werden, hat maßgeblich mit der Chlorophyll-Produktion zu tun (nebst einiger Enzyme und Proteine). Mangelt es an Stickstoff, bleichen die BlĂ€tter aus. Die Chlorophyll-reiche Brennnessel braucht entsprechend viel Stickstoff. Daher gilt sie auch als so genannter Stickstoffanzeiger. Sie ist heutzutage so reichlich anzutreffen, da die Luft mit vielen Stickoxiden angereichert ist und die Felder meist ĂŒberdĂŒngt sind.  

VerknĂŒpfung des Luftigen und des WĂ€ssrigen

Um den Heilwirkungen der Pflanze mehr auf die Spur zu kommen, ist es oft hilfreich, die Besonderheiten der Gestaltbildung einer Pflanze unter dem Aspekt zu betrachten, wie sie das Erdige, WĂ€ssrige, Luftige und Feurige einander ins VerhĂ€ltnis setzt. Manchmal ist das nicht ganz leicht zu erkennen. Bei der Brennnessel schon. Ihre Vorliebe fĂŒr feuchte UntergrĂŒnde und die Weichheit der BlĂ€tter offenbaren schon mal ihren akzentuierten Bezug zum WĂ€ssrigen. 

Andererseits ist der StĂ€ngel hohl, also luftig, und als zweihĂ€usige Pflanze, die mĂ€nnliche also weibliche Einzelpflanzen hervorbringt, ist sie bei der BestĂ€ubung auf Wind angewiesen. Das 'Luftelement' bildet also den zweiten Akzent. 

MĂ€nnlicher BlĂŒtenstand

mĂ€nnlicher BlĂŒtenstand

Weiblicher BlĂŒtenstand

weiblicher BlĂŒtenstand

Auf den Menschen ĂŒbertragen korrespondiert das WĂ€ssrige mit DrĂŒsenfunktionen, NierentĂ€tigkeit bzw. dem Blutkreislauf. Das Luftige hingegen hat viel mit der Atmung, aber auch mit Bewusstseinsprozessen, also mit dem Geistigen zu tun. 

TatsĂ€chlich lĂ€sst sich die zentrale Heilwirkung der Brennnessel als 'Durchgeistigung des WĂ€ssrigen' beschreiben. Das klingt, ich weiß, bisschen spooky, bedeutet aber einfach, dass sie das WĂ€ssrige 'bildekrĂ€ftiger' wird. BildekrĂ€ftig ist freilich auch kein gelĂ€ufiges Wort. Aber jeder kennt Eisblumen an Fensterscheiben. Manche haben auch schon Trocknungsbilder von Wasser- oder Blutstropfen gesehen. Und die, die bisschen vertrauter mit der Materie sind, kennen auch Kupferchlorid-Kristallisationsbilder. Solche Bilder sind intuitiv und rein vom Ă€sthetischen Eindruck her unmittelbar aussagekrĂ€ftig.

Wer es nicht glaubt, besorge sich das Buch Die unsichtbare Kraft in Lebensmitteln - BIO und NICHT-BIO im Vergleich von Walter DĂ€nzer. Es ist ein wirklich einzigartiges Buch, wo Seite fĂŒr Seite Kristallisationsaufnahmen verglichen werden von spagyrisch zubereiteten Nahrungspflanzen-Tinkturen (spagyrische Zubereitungen basieren auf dem Prinzip von Trennen, Veraschen und wieder ZusammenfĂŒhren). Die Bilder sprechen eine ganz eigene Sprache, die auch jeder Laie sofort versteht. Sie belegen, dass Wasser anordnende KrĂ€fte birgt oder organisiert zu (qualitativ) reproduzierbaren Mustern. Und es ist offensichtlich, dass solche anordnenden KrĂ€fte, wie immer die Natur das auch anstellt, eine entscheidende Rolle in der vitalen Organisation des Lebendigen spielen.

Die Heilwirkungen der Brennnessel

Nach all dem Eindrucksvollen, was sich ĂŒber die Brennnessel sagen lĂ€sst, erscheint die AufzĂ€hlung ihrer Indikationen erstmal nicht sonderlich eindrucksvoll. Sie wird als blutbildend beschrieben, soll Erschöpfung oder FrĂŒhjahrsmĂŒdigkeit entgegen wirken, Haarwuchs fördern und den Stoffwechsel anregen. Und weil sie viel FlĂŒssigkeit aufnimmt und auch sehr leicht ĂŒber die BlĂ€tter wieder abgibt (abgepflĂŒckte Brennnesseln welken extrem schnell), eignet sie sich auch fĂŒr DurchspĂŒlungstherapien. Deshalb wird sie vielfach auch zur UnterstĂŒtzung bei Harnwegsinfekten empfohlen oder bei Ablagerungskrankheiten wie Rheuma bzw. Gicht, natĂŒrlich auch bei NierenschwĂ€che.

Dies alles ist zweifellos richtig, trifft aber nicht wirklich den Kern dessen, was die Brennnessel am Menschen zu leisten vermag. 

Das Blut 'vernĂŒnftig' machen

Der großartige Heilpflanzenforscher Wilhelm Pelikan (MitbegrĂŒnder der Weleda) schreibt in seinem Heilpflanzenkunden Buch, Band 2: Die Brennnessel macht das Blut ‘vernĂŒnftig’. Soll heißen, dass das Blut nicht allein die Aufgabe hat, nur die aufgenommenen Stoffe zu verteilen. Es ist darĂŒberhinaus auch TrĂ€ger der 'BildekrĂ€fte’. Sind sie zu schwach entwickelt, kann es sein, dass das Blut ‘versackt’. HĂ€morrhoiden sind z.B. solche heraushĂ€ngenden BlutsĂ€cke, und Erschöpfungserscheinungen deuten eben auch darauf hin, dass dem Blut eine gewisse bildende, aufrichtende Kraft fehlt. Die gesamte Selbstorganisation ist dann geschwĂ€cht. Damit geht immer auch eine erhöhte Erkrankungsbereitschaft einher.

Und nicht nur das. Auch auf seelischer Ebene zeigen sich Auswirkungen. GeschwĂ€chte BildekrĂ€fte des Blutes machen uns 'lascher'. Wir haben dann eine stĂ€rkere Tendenz, herumzuhĂ€ngen, mehr zu chillen, bringen zu wenig die Selbstdisziplin auf, uns aufzurichten. Und somit ist auf diesem Wege auch das ganze System der Willensbildung geschwĂ€cht. 

Die Brennnessel rĂ€umt auf im Blut, schafft Ordnung, schafft Struktur, Raum fĂŒr BildekrĂ€fte und fĂŒr alles, was damit zusammenhĂ€ngt. Daraus resultiert eine grĂ¶ĂŸere Wachheit und Bewusstheit, die FĂ€higkeit zu mehr Entschlossenheit, eine grĂ¶ĂŸere Antriebskraft und Dynamik. Letztendlich geschieht sogar etwas wie geistige Entschlackung oder Entgiftung. Dabei hĂ€ngen jene entgiftenden, blutreinigenden FĂ€higkeiten direkt mit dem Eisenprozess zusammen. Alle Eiweiß-Abbauprozesse bilden Stickstoffverbindungen, die potenziell giftig sind und also entgiftet werden mĂŒssen. Dies geschieht durch Oxidation, wodurch sie nicht nur unschĂ€dlich gemacht, sondern in der Folge auch ausgeschieden werden. 

Wenn man nun glaubt, mit Brennnesselextrakten oder Brennnesseltees seinen Eisenspeicher erheblich auffĂŒllen zu können, ist das so nicht ganz richtig. Brennnesselsamen können das womöglich, aber Tees eher weniger. Was die Pflanze vermittelt, ist weniger der Stoff als solcher, als die Organisation des Eisenprozesses. Das Eisen, was im Körper ist, wird dadurch bioaktiviert. 

Die Brennnessel als Basisheilpflanze zur Gesunderhaltung

Die Brennnessel ist, alles zusammengeschaut, eine außergewöhnlich hilfreiche Basispflanze fĂŒr die allgemein Gesundheiterhaltung. Sie ist keine Heilpflanze, die erst dann zum Einsatz kommt, wenn die HĂŒtte bereits brennt, sondern eine Lebens-Begleitpflanze, so wie die Pflanze den Menschen selbst an alle Orte begleitet. Sie sollte daher zum Must-have einer jeden Gesundheitspflege gehören. Viele Menschen geben viel Geld fĂŒr Ă€ußere Schönheit, fĂŒr Kosmetika, fĂŒr schön und fleckenfrei erscheinende Haut aus, aber die Pflege von innen kommt dabei mitunter zu kurz. Oft ist viel mehr gewonnen mit einer regelmĂ€ĂŸigen Reinigung und 'Energetisierung' (wenn ich das Wort mal verwenden darf) des Blutes, um so das natĂŒrliche Selbstorganisationsvermögen zu entmĂŒllen, dass es nicht eintrĂŒbt.

Ihrem Wesen nach ergreift die Brennnessel all jene Stoffe, die sie braucht, um Ordnung herzustellen und alles ins rechte Maß zu setzen. Sie nimmt auf, verwandelt und gibt sich bereitwillig hin, auf dass sie 'blĂŒhende Landschaften' hinterlĂ€sst.  

Von daher kann ich nur anraten, sich Brennnesselkuren zur Gewohnheit zu machen, nicht nur beschrĂ€nkt auf FrĂŒhjahrskuren. Man putzt ja die Wohnung auch nicht nur zu Ostern und Weihnachten. Die Brennnessel erzeugt eine grĂ¶ĂŸere Klarheit, Geradlinigkeit und Aufrichtung, die sie selber ja auch mit jeder Faser ausstrahlt, einen gesicherteren gesundheitlichen Stand im Leben und grĂ¶ĂŸere Wehrhaftigkeit gegen Ă€ußere Anfechtungen - auf allen Ebenen, den physischen wie der seelischen. Sie macht agiler, mindert deutlich die Wahrscheinlichkeit fĂŒr die Anbahnung chronischer Erkrankungen, wie sie vor allem in höherem Alter hĂ€ufig auftreten.

Meist wird ja der Wert einer Heilpflanze daran bemessen, wie sehr sie Krankheiten zu heilen vermag. Die Brennnessel zeigt ihre Heilkraft eher in der StĂ€rkung der Selbstorganisation, der generellen Gesunderhaltung also. Und sie unterstĂŒtzt unsere Willensbildung, dass wir uns entscheidungsfreudiger fĂŒhlen und im positiven Sinne kompromissloser mit weniger Wischiwaschi und mehr Tatkraft. Wenn das nix ist!  


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